Fräse statt Pflug: Biobauer Sepp Hägler Foto: Sepp Hägler Pflanzen in Mulch: Gemüsehof Dickendorf Foto live2give

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Die Humuswende Untersaat im Mais: Der Boden bedeckt und durchwurzelt Nach der Maisernte: Erosionsschutz und Futter für Regenwürmer

Wie die Landwirtschaft vom Klimasünder zum Klimahelfer wird

Die Pariser Klimakonferenz hat 2015 nicht nur das Klimaab- kommen verabschiedet, das bislang nicht umgesetzt ist. Sie hat auch die Vier-Promille-Initiative beschlossen, eingebracht von den Franzosen, unterstützt von Deutschland. Die Idee: Wir bauen in allen landwirtschaftlich genutzten Böden der Erde jährlich vier Prozent zusätzlichen Humus auf. Damit wäre dann der jährliche Ausstoß an menschgemachtem CO2 als Kohlenstoff in den Böden gebunden. Der Humusaufbau in den Böden würde uns Zeit schenken, um den Klimawandel doch noch in den Griff zu bekommen. Derzeit geschieht das Gegenteil: Unsere Form der industrialisierten Landwirtschaft verliert den Humus der Böden und setzt damit zusätzliche Treibhausgase frei. Das aber ist umkehrbar. Die Wirtschaftsweise, die notwendig ist, um Humus in den Böden aufzubauen, ist weitgehend bekannt und wird von manchen Bauern auch schon viele Jahre und zum Teil Jahrzehnte angewandt: die sogenannte Regenerative Landwirtschaft. Friedrich Wenz, einer der Pioniere, der sich heute mit einem Kollegen zusammen auf die Weitergabe seines Wissens bei Seminaren und öffentlichen Feldtagen mit Vorführungen auf verschiedenen Höfen konzentriert, beschreibt das auf seiner Internetseite so: » Die Regenerative Landwirtschaft ist die Wiederherstell- ung des lebend verbauten Kohlenstoffes im Boden durch Humusaufbau aus atmosphärischem Klimagas. Sie ist die Wiederherstellung der mikrobiellen Prozesse im Boden durch die Förderung der Interaktion Pflanzen-Bodenleben und damit
auch der hohen Nährstoffgehalte in pflanzlichen Produkten. Die Regenerative Landwirtschaft basiert auf Methoden und Verfahren, die die Naturgesetze unterstützen.« Die Bewegung für mehr Bodengesundheit und Humusaufbau geht inzwischen aber auch über die Kreise der Bauern, zumal der Biobauern, hinaus. Die Naturschutzorganisation WWF Deutschland zum Beispiel hat einen Arbeitskreis eingerichtet, in dem sich seit 2016 am Boden interessierte Naturschützer mit Bauern treffen. Nach sechs Treffen hat der Gesprächskreis 2018 ein Papier mit Arbeitsthesen zum » Lebendigen Boden als gemeinsamer Basis für Landwirtschaft und Naturschutz « vorgelegt; als Grundlage für weitere Treffen von Bauern und Naturschützern. In der Diskussion und in den Arbeitsthesen werden Naturschutz und Landwirtschaft, die sich an vielen Stellen auf dem Land oft recht unversöhnlich gegenüberstehen, zusammen gedacht und die Erhaltung der fruchtbaren Böden wird zur gemeinsamen Naturschutzaufgabe. Es sei ein Bodenbild erforderlich, das über eine Sichtweise des Bodens als Rohstoff und Dienstleister hinausgeht: »Eine Landwirtschaft, die intensiv mit Monokulturen oder engen Fruchtfolgen arbeitet, die stark chemisch und mechanisch in den Boden eingreift oder mit zu hohem Viehbesatz pro Hektar wirtschaftet, verringert die Mächtigkeit, Lebensvielfalt und natürliche Produktivität der ursprünglichen Böden. Es ist eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe, diese Abbauprozesse umzukehren und einen wirklich nachhaltigen Landbau zu gestalten.«

Pfluglose Biolandwirtschaft

Dass der Pflug dem Bodenleben nicht guttut, wissen Landwirte schon lange. Sepp Braun aus Freising, bekannt geworden als der Regenwurm-Bauer, sagt: »Das ist ungefähr so, als wenn ich jung verheiratet bin und gerade das Haus für meine Familie fertig hab, und dann kommt jedes Jahr ein Sturm und reißt mir das Dach herunter.« Jedes Jahr hat das Bodenleben sich gerade von oben nach unten neu organisiert, wenn geerntet wird und dann der Pflug kommt - zwei Katastrophen auf einmal. Die erste ist die Ernte: Sie reißt dem Bodenleben die Nahrungsgrundlage fort. Die zweite Katastrophe ist der Pflug: Er dreht dem Bodenleben die obere Schicht auf den Kopf und zerstört alles, was in einem Jahr aufgebaut wurde. Um den Pflug zu ersetzen, propagierte die Agrarindustrie über vier Jahrzehnte lang Glyphosat. Damit ließen sich die Wurzelunkräuter problemlos bekämpfen. Ohne Glyphosat oder ähnliche Agrarchemie braucht man den Pflug, sagen auch viele Biolandwirte. Es gibt aber längst auch mechanische Geräte - besondere Grubber - mit denen die Unkräuter, die tief wurzeln, bekämnpft werden können. Die Bauern, die humusaufbauende Landwirtschaft betreiben, sind häufig gezwungen, sich ihre eigenen Landmaschinen zu entwickeln. So auch Sepp Hägler, der den Vorteil hat, dass sein Schwiegersohn Landmaschinenmechaniker ist. Andere Betriebe, wie der Gemüsehof Dickendorf im Westerwald, haben dafür extra Techniker einstellen.
Foto: Siggi Nowak
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